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Vier luxemburgische Künstler stellen in der Galerie Zeugma aus
19.02.2010,07:41
Der Kunstkritiker Herr Dr. Urs Diederichs wird am 21. Februar 2010 um 17.00 Uhr den Einführungsvortrag zur Eröffnung der Ausstellung halten. Unter dem Titel „LuxArtVision“ kommt eine einzigartige Ausstellung aus Luxemburg, an der vier Künstler sich in der Galerie Zeugma beteiligen werden: Florence Hoffmann, Jhang Meis, Margot Reding-Schroeder, Rol Steimes.
Ein Kopf, zwei Füße, und Bücher an Stelle des Körpers, der Büchermensch… Was wir lesen baut uns, buchstäblich. Es erbaut uns auch, baut uns auf, und trägt uns hinüber, erlaubt uns auszubrechen, uns zu bilden, zu kultivieren, neue Horizonte zu entdecken und trägt schlussendlich zur Ausarbeitung und Erstellung unserer Persönlichkeit bei. Was macht dass ein Buch, welches zu einem bestimmten Zweck erstanden wurde, seinen Leser nicht mehr interessiert und dieser bereit ist sich von ihm zu trennen, es wegzugeben, sogar wegzuwerfen? Wo doch soviel Energie von Seiten des Autors entfaltet wurde, wo doch oft sehr aufwendiges Recherchieren, Verhandlungen, Gewissheiten und Zweifel sein Entstehen begleitet haben, der Herausgeber verlockt und überzeugt, Einband und Format definiert werden mussten…Sein Zustand vom beachteten Objekt der Begierde mit Referenzstatus wechselt plötzlich in den entgegengesetzten… Wie steht es heute mit dem Lesen? Lesen wir soviel oder weniger als früher? Nehmen wir uns die Zeit zum lesen? Wie viele dieser intimen Stelldicheins mit einem Autor gestatten wir uns noch? Die Bücher, Hauptelemente bei der Erarbeitung und Darstellung dieser Figuren, sind so patiniert dass man weder ihre Titel, noch Autoren und Inhalte erkennen kann. Das in diesen Büchern enthaltene Wissen, ihre “Wissenschaft”, sind auf immer festgemacht und begrenzt, und sie begrenzen, (de)limitieren zeitgleich die Formen der Körper welche sie darstellen. Von nun an wohlbehütete Geheimnisse. Es sind die Bücher, welche hier den Akzent setzen und den Ton der Figuren angeben. Deren Köpfe und Füße spielen nur eine untergeordnete Rolle, was ihren wissentlich rekursiven Gebrauch in den verschiedenen Exemplaren erklärt. Vor dem Müll gerettet, finden diese Bücher etwa eine neue “Daseinsberechtigung” indem sie in eine andere künstlerische Ausdrucksform eingefügt werden? Und darf man erwägen, dass ihre Umformung in das wichtigste konstituierende Element dieser Skulpturen, sie von dem ihnen zugedachten Schicksal eines Endes im Recyclingzenter bewahrt hat? Also” libri liberati”? Denn an ihnen ist ein neues Interesse entstanden, und dieses rührt von ihren spielerischen Strukturformen her, welche erst die verschiedenen volumetrischen Abwandlungen der Figuren ermöglichen. Oder sind diese Bücher in ihren jetztigen Positur eher eingesperrt? Übrigens, wer ist eingesperrt? Die Bücher, die Figuren, oder die Besucher die sie betrachten? Und mit oder in was? Werden die Betrachter wohl an dem Spiel Gefallen finden, trotzdem heraus zu finden um welche Bücher es sich denn handelt, indem sie die auf die Umschlagschnitte aufgedrückten Flachrelieftitel zu entziffern versuchen? Wenn man aufmerksam den Typus des Buchs, das Format, die Dicke, die Art der Deckel, die Farbe der Seiten, und das Vergilben des Papiers beobachtet, dann muss man feststellen, dass die Bücher dennoch und fast ungewollt einen kleinen Teil ihrer Geheimnisse preisgeben, Geheimnisse denen sie selbst fortan zugehören. Ob halbfigurativ, abstrakt, figurativen und/oder konzeptuell, immer handelt es sich bei den Plastiken von Florence Hoffmann um den Menschen, verschiedene Aspekte seines Benehmens und deren Wechselwirkungen mit jedem von uns. Die Materialien für ihre Werke, vom Kleinformat bis zum Monumentalen, hängen immer vom Thema ab das sie sich aufgegeben hat, und ihrer Façon dieses zu entwickeln… Deshalb sind diese sehr verschiedenartig: Bronze, Stahl, Stein, Kunstharz, Wachs, Gips, aber auch sehr gewöhnliche Gebrauchsobjekte wie Bücher, Brillen, Schuhe, Reißnägel usw., wenn es sich nicht gerade um sehr ephemere Stoffe handelt wie Schnee, Eis, Sand und sogar Feuer. Sie selbst, ausgebildet an der früheren Académie Julian in Paris (Met de Peninnghen Kunstschule) hat während den letzten 12 Jahren an 26 verschiedenen Symposien und Wettbewerben verstreut über die Welt teilgenommen. In öffentlichen und privaten Museen in Luxemburg, Canada, Mexiko, Thailand, Frankreich und Japan sind auch verschiedene ihrer Werke dauerausgestellt oder zieren den öffentlichen städtischen oder ländlichen Raum.
Der 1968 in Düdelingen geborene Künstler Rol Steimes, arbeitet mit Pinseln und Spachteln. Das Material wird in mehreren Schichten aufgetragen und glatt gestrichen, wobei unterschiedlich feine Strukturen sichtbar werden. Und zeigt wie lebendig die Metamorphose von Dunkelheit in Helligkeit sein kann. Rol Steimes, der 42-jährige Autodidakt der meist nur grobe Skizzen anfertigt, hat das Bild, das er malen möchte, genau im Kopf. Wo viel Licht ist, ist halt auch starker Schatten, und dieser Kontrast fasziniert ihn seit jeher. Für Rol Steimes gibt es keine Helligkeit ohne Dunkelheit, und umgekehrt gibt es auch keine Finsternis ohne Lichtpunkt. Allerdings sind die Lichteffekte, die Lichteinfälle und Lichtwiderspiegelungen in den rezenten Arbeiten weitaus dramatischer ausgefallen als in früheren. Dieser Kohärenz zuliebe arbeitet Rol Steimes meist an mehreren Bildern gleichzeitig. Außerdem ist er ein innerlich eher rastloser und ungeduldiger Mensch, der das Trocknen der einzelnen Farbschichten fast nicht abwarten kann. Als trügen sie ein Geheimnis in sich, das der Betrachter nie erfahren soll. Das Übermalen eigener Bilder kommt indes nicht in Frage. Entweder gefällt das fertige Werk dem Meister oder es landet in einer Ecke des Ateliers. Auch über die Ausdeutung anderer Arbeiten werden der Maler und ich uns nicht eins, aber das müssen wir auch gar nicht. Unter einer von Wolken getrübten Morgendämmerung darf halt jeder sich etwas anderes vorstellen. Hauptsache bleibt, dass das Bild den Betrachter anspricht, sei es durch die komplexe Struktur oder durch die perfekte Komposition der arbschattierungen, sei es dadurch, dass Rol Steimes’ Einladung an das Licht, die Gestaltung der dunklen Farbflächen selbst zu vollenden, von diesem Licht angenommen wird.
Die Künstlerin Margot Reding-Schroeder geboren 1943 in Luxemburg, lebt und arbeitet in Ihren Ateliers in den Luxemburger Ardennen und in Luxemburg-Stadt. Ihre Anfänge in der Malerei waren autodidaktisch " sie wollte sich nicht beeinflussen lassen, da die Malerei für Sie von Anfang an ein Weg zu sich selbst war, zum Mensch-Sein". Ihre Liebe zur Malerei und Ihr Bedürfnis zur künstlerischen Weiterentwicklung reflektiert sich somit in Ihren späteren Studiengängen der Malerei (ab 1993 ) mit Schwerpunkt : freie Malerei , Bildkomposition, Akt, experimentelle Zeichnung, die Sie an der Europäischen Kunstakademie,Trier absolvierte , an der Akademie Pro Arte in Prissiano, Italien, sowie in der Ecole des Arts et Métiers, Luxemburg. Zu Ihren Arbeiten ,die in viel beachteten Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt werden ,und deren freie Akt-Kompositionen Ihre Inspirationsquelle hauptsächlich aus dem experimentellen Tanz und Akt beziehen, sagt die Kunsthistorikerin Petra Bauer folgendes: "Margot Reding-Schroeder ist eine geschulte Übersetzerin des Gesehenen und Ihrer VISION von dem Gesehenen. Sie präsentiert uns kein unverständliches, sinnloses Geschwätz. Ihre Bilder sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn Sie sich vom Figurativen entfernt: zuweilen ist es eine fast lyrische Sprache, wo mit wenigen Worten alles ausgesagt wird, sprich wo das Wesen-tliche in wenigen Strichen verdichtet ist. Andere Male ist Sie ausführlicher und prosaischer. Immer jedoch ist es eine leidenschaftliche Sprache. Und stets geschieht dies in der Reduktion auf das Wesen-tliche, das sich in einem Zeichen, einer Geste, einer Bewegung widerspiegelt. Einer Bewegung des Körpers, aber auch der Seele. Das Modell tanzt, die Seele tanzt und der Pinsel tanzt mit, und so setzen sich die Schwingungen in Ihren Bildern fort. Es ist Ihr gelungen die Bewegung, ja die Energie selbst in Ihrem Strich einzufangen, was Ihre Bilder so lebendig machen. » Ihre Bildersprache, stellt die physische Wirklichkeit nicht in den Vordergrund sondern ist die Interpretation eines Klangbildes des Wesens, des Menschen. Gelebtes Leben, die "condition humaine", die Energie und Verletzungen unserer Körper, unserer Seele, im engen Dialog mit dem Modell, werden in Ihrer Malerei und Zeichnungen in einem dynamischen Prozess zu starken Formen verdichtet, die mit den Spuren überlagerter Fragmente eine Synthese eingehen, wobei die Oberflächen oft schrundig und befühlbar bleiben, an anderen Stellen werden Zeichen zart und transparent gesetzt. In diesem Wechselspiel entsteht in Ihren Bildern dynamisches, vibrierendes Eigenleben.
Der Künstler Jhang MEIS ist im Jahr 1947 nahe der Thillenbergmine in Differdingen geboren. Jhang Meis ist wohnhaft in Zolver, wo er auch sein Kunstschaffen ausübt. Zwischen 1963 und 1966 erlernte er den Beruf des Maschinenschlossers bei der HADIR. Anschließend trat er in die Dienste der ARBED ein, wo er in verschiedenen Eisenhütten tätig war. 1973 erwarb er den Meisterbrief seines Berufes und übte seit 1976 die Tätigkeit eines Lehrlingsausbilders in der Berufsschule der ARBED in Differdingen aus.
Der Künstler Jhang Meis realisiert abstrakte Werke verschiedener Dimensionen in denen er als Basiselement Stahlprodukte bearbeitet. Seine Inspirationen findet er vorwiegend auf den Schrottplätzen, wo er nach geeignetem Alteisen und Altmetall stöbert. Die gefundenen Elemente formt er dann in stundenlanger Arbeit und mitunter erheblichem körperlichem Einsatz zu Stahlskulpturen um. In manchen seiner Werke wird das Basiselement Stahl mit anderen Grundmaterialen, wie zum Beispiel Stein, kombiniert.
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